“Ich zeige der Welt mein Herz!” oder: Perfektionismus und wie ich ihn bei mir heilen kann.

Einleitung: Heute morgen im Bett habe ich wieder viel mit meiner Frau diskutiert, und spätestens als sie sagte: “Schatz! Bitte nicht vor dem zweiten Kaffee!!” habe ich gemerkt: “OK! Ich schreibe besser mal einen neuen Beitrag…” Und hier kommt er schon!

Kennt ihr das auch? Jemand sagt: “Ich bin Perfektionist!” Und sofort kriegen wir ein schlechtes Gewissen. Sofort kommt ein ganzer Schwarm an Gefühlen hoch, zum Beispiel: “Oh, da muss ich mich aber anstrengen, damit ich auch so gut bin.” Oder: “Da steht jemand seinen Mann / seine Frau, egal wie er oder sie sich gerade fühlt.” Oder aber: “Das hört sich irgendwie bedrohlich an, fast wie eine Mitgliedschaft in einem Geheimbund mit viel Kleingedrucktem …”

Man könnte noch viele solcher inneren Reaktionen finden, aber irgendwie zeigen uns alle dieser Gefühle, dass es sich beim Denken, das am Perfektionismus ausgerichtet ist, um ein zweischneidiges Schwert handelt.

Viele von uns haben bereits die Erfahrung gemacht, dass das Leben auf diese Weise eine endlose Aufgabe ist, die man kaum bewältigen kann. Kaum hat man etwas erledigt, kommt garantiert die nächste Herausforderung. Ich richte mich im Perfektionismus eben immer an der nächsten Aufgabe aus; an dem, was ich noch NICHT geschafft habe. Also passiert es schnell, dass ich NIE mit mir zufrieden bin und Lob gar nicht bei mir ankommt.

Ja! Wenn ich mich selbst nicht lobe, werde ich auch den Anderen nicht glauben, wenn sie mich loben. Ich denke stattdessen: “Wieso lobt dieser Mensch mich jetzt? Sieht er/sie nicht, dass ich unperfekt bin?”

Merkt ihr was? Das Zeitalter des “höher, schneller, weiter” ist aber SO WAS von vorbei!

Wir haben viele Menschen im Abseits verschwinden sehen, die ihren eigenen Ansprüchen und denen der Gesellschaft nicht mehr standhalten konnten. Traurig ziehen sie unbemerkt ihre Runden, oft voller Scham, mit dem Gefühl: “Irgendwas stimmt mit mir nicht, denn ich habe es heute wieder nicht geschafft!” denken diese Menschen…

An der Stelle möchte ich Dir Mut machen. Es geht gar nicht um diesen alten, menschenverachtenden Anspruch, sondern darum, dass DU „DU-SELBST“ bist. Das ist genug und völlig ausreichend. Wenn Du Dich für diesen Weg entscheidest, werden sich alle Menschen mit Dir freuen mit der Zeit. Denn es ist nicht wichtig, was Du schaffst oder eigentlich schaffen wolltest. Damit erwirbst Du Dir keine Freundschaften, höchstens Beziehungen zu Menschen, die auf dem gleichen, nervenden und krankmachenden Trip sind.

Stattdessen möchte ich dafür plädieren, dass wir uns gegenseitig aufbauen statt herunterzuziehen.

Deswegen probiere es doch mal mit dieser Einstellung: “Ich zeige der Welt mein Herz!” Das mag sich am Anfang ungewohnt anfühlen oder sogar gefährlich. Aber im Außen passiert etwas ganz Anderes. Du wirst sichtbar, und zwar als menschliches Wesen/als MENSCH. Du entkommst der Bewertung der Anderen und Deiner eigenen Bewertung. Du gibst DIR einen Raum, indem DU einfach sein darfst…

Lerne Selbstachtung und lobe Dich, dann hast Du es viel leichter im Leben. Kritisiere Dich nicht dauernd für etwas, was Du nicht geschafft hast – dafür, wie Du aussiehst oder für irgendeinen anderen bullshit. Diese Dinge tun wir meistens, weil die Anderen um uns herum auch so handeln – oder weil wir es durch Nachahmung gelernt haben. Aber oft ist das, was wir gelernt haben, ebenso bullshit oder braucht zumindest jetzt eine GRÜNDLICHE ÜBERPRÜFUNG.

Früher dachten die Menschen, die Erde wäre eine Scheibe, und jeder glaubte das. Erst durch eine genaue Überprüfung kam eine neue Wahrheit ans Licht. So ist es auch mit dem Perfektionismus und dem Satz: “Ich zeige der Welt mein Herz.” Darin sind viele heilsame Botschaften verborgen. Z.b.: „Ich lerne gerne, ich darf Fehler machen, ich liebe mich und werde akzeptiert, ich akzeptiere Andere und lebe ein gutes Leben in Gemeinschaft.”

Ich gehe also nicht mehr so hart mit mir ins Gericht.

Der Zwang zur dauernden Selbstverbesserung ist etwas, das uns über Generationen antrainiert wurde. „So wie ich bin, bin ich nicht gut genug!“ Geführt hat das zu NICHTS, außer einer Menge Leid. Es hieß zum Beispiel: “Du musst Dich NOCH mehr bemühen, Du musst besser glauben, besser kämpfen.” Mit anderen Worten: Dich besser ausbeuten und verbiegen. Das Alles läuft darauf hinaus, dass die eigenen Warnsignale und Gefühle überhört werden. Denn diese hätten schon längst gesagt: “Hör auf damit, es schadet Dir!”

Nun ist die Möglichkeit auszusteigen und sich erneut zu überlegen: “Warum lebe ich eigentlich, und was will ich erleben?” An dieser Stelle solltest Du wirklich das Wagnis eingehen und Dich dafür entscheiden: “Ich zeige der Welt mein Herz.”

Nicht irgendeinen Abklatsch von Dir oder eine künstliche Version, sondern Deine Natürlichkeit, Dein HERZ, Deine Einzigartigkeit.


Ich wünsche Dir dabei von Herzen viel Erfolg, ein wundervolles Zu-Dir-Finden und Bei-Dir-Ankommen.

Dein MIKO

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